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Helmut Moll
Die christliche Identität Europas nach Joseph Ratzinger |
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Helmut
Moll
Die christliche Identität Europas
nach Joseph
Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI.
Problemskizze
Während seiner zweiten
Missionsreise (vgl. Apg 5,36 bis 18,22) kam der Völkerapostel Paulus zum ersten
Mal nach Europa. In Troas überfiel ihn in der Nacht eine Zukunftsvision, die er
in folgende Worte kleidete: "Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber
nach Mazedonien, und hilf uns! Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach
Mazedonien abfahren; denn wir waren überzeugt, daß uns Gott dazu berufen hatte,
dort das Evangelium zu verkünden" (Apg 16,9f.). Durch den uns unbekannten
Mazedonier zeigte sich Europa bereit, die Frohe Botschaft vom Reich Gottes
aufzugreifen und anzunehmen, ungeachtet der beträchtlichen Mühen, welche die
Verkündigung des Evangeliums besonders in Athen (vgl. Apg 17,16-34) und in der
Hafenstadt Korinth (vgl. Apg 18,1-7) verursacht hatten. Auf diese Weise vollzog
sich zugleich die Öffnung der Evangelisierung über Vorderasien hinaus auf den
Kontinent, den wir mit dem Ausdruck Europa umschreiben.Die genaue Bedeutung des Wortes
Europa ist unklar. Carsten Peter Thiede will diesen Begriff dem semitischen
Wort "ereb" zuordnen, was so viel wie Dunkel, Abend, daher Abendland bedeutet,
oder aber dem griechischen "euruopa", also "weithin blickend" meint.[1] Die geographische Festlegung, welche Regionen zu Europa gehören, hat eine lange
Zeit in Anspruch genommen. Im Norden, Westen und Süden erfolgte die
Grenzziehung mit den Europäischen Nordmeer, dem Atlantischen Ozean und dem
Mittelmehr unter Einschluß der dem Festland vorgelagerten Inselwelt.
Demgegenüber blieb die Definition der
Grenzen im Osten über Jahrhunderte kontrovers.
Wichtig für die Bestimmung der
europäischen Identität ist bereits die Wortwahl. Über die rein politischen Wertungen
hinaus setzte sich in Jahrhunderten mehr und mehr der Begriff "christliches
Abendland"[2] durch, das vor allem in Abgrenzung von ständig lauernden Gefahren von außen her
als zu verteidigen galt. Nach dem früheren evangelischen Landesbischof Johannes
Hanselmann wurde "christliches Abendland" später je länger je mehr durch den
säkularisierten Begriff Europa abgelöst, wodurch dem räumlichen Gebilde
zugleich eine neutrale Bedeutung zuwuchs.[3] Hinzu kommt die Frage nach dem jeweiligen geistigen Standort. Während der in
Verona geborene Theologe Romano Guardini von Europa als einer Gesinnung
spricht,[4] interpretiert der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof Europa als eine
"Rechtsidee, die eine von Menschenwürde, Gleichheit in der Freiheit und
Friedenspflicht bestimmte Ordnung weltweit verbreitet"[5].
Aus der umfangreichen Dokumentation von Jürgen Schwarz geht hervor, wie sehr
Papst Pius XII. die Schaffung einer neuen geistigen Atmosphäre zur Einigung
Europas am Herzen lag.[6] Diese und weitere gedanklichen Entwürfe müssen in den Blick genommen werden,
wenn es im Folgenden darum geht, die christliche Identität Europas nach dem
früheren Theologieprofessor von Freising, Bonn, Münster in Westfalen, Tübingen
und Regensburg, dann dem Erzbischof von München und Freising Joseph Kardinal
Ratzinger sowie dem heutigen Papst Benedikt XVI. nachzuzeichnen. Der folgende
Versuch geht in methodischer Hinsicht chronologisch vor, was den Vorteil
bietet, die ganze Breite des Themas auch nach seinen geschichtlichen Wurzeln zu
beleuchten.
1. Die
Heiligen als Herzmitte der europäischen Kultur
Europa als Thema der Theologie
und Spiritualität erfährt bei Joseph Ratzinger seine Ausformung nach seiner Ernennung zum
Erzbischof von München und Freising, die am 24. März 1977 erfolgte. Während des
Zweiten Vatikanischen Konzils, an dem er als Peritus an der Seite von Josef
Kardinal Frings von Köln teilgenommen hatte, stand Europa noch nicht im
Rampenlicht der öffentlichen Diskussion, gleichwohl Papst Paul VI. den hl.
Benedikt von Nursia (um 480 bis 547) am 24. Oktober 1964 in Montecassino zum
Vater der abendländischen Christenheit proklamiert hatte.[7] Die nachkonziliaren Wirren mit ihrem einschneidenden Jahr des Umbruchs 1968,
aber auch die Zeit der Studentenunruhen ließen den Blick auf andere Schwerpunkte
des täglichen Lebens lenken. Als Papst Paul VI. den Theologieprofessor an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg zum Oberhirten des
bayerischen Erzbistums München und Freising erhob, nahm die europäische
Thematik konkrete Gestalt an. Seine Formel lautete: "Nur wenn der Begriff
‚Europa’ eine Synthese aus politischer Realität und sittlicher Identität
darstellt, kann er zu einer prägenden Kraft für die Zukunft werden"[8].
Daher nimmt es nicht wunder, wenn diese "sittliche Identität" sich in den
kanonisierten Heiligen widerspiegelt, über die zu predigen der junge Kardinal
nicht müde wird. Diese amtlich beglaubigten Vorbilder stehen stellvertretend da
für den Schmelztiegel der Völker, aus denen das christliche Europa die Kraft
gewonnen hat, Tradition und Fortschritt in harmonischer Weise zu verbinden. Den
Auftakt bildet eine Homilie über Bischof Korbinian am 18. November 1978 im
Freisinger Mariendom; "Glaube", so der Erzbischof, "stellt uns in die Ordnung
Gottes hinein"[9], ohne
die Europa nicht verstanden werden kann. In Frontstellung zu einem stets
fortschreitenden Aktivismus des Westens stellt der Erzbischof am 31. Mai 1979
im Münchener Liebfrauendom die Gottesmutter Maria als die hörende und
meditative Kraft christlicher Existenz heraus, wenn er unterstreicht: "Es gibt
ja in unserem Land, im ganzen Westen den Schrei nach der Meditation, die Flucht
nach dem Asiatischen, weil das Christliche nur noch Aktivismus zu sein scheint.
Aber wenn wir uns von den asiatischen Religionen nur kurzfristig ein paar
Techniken leihen, können sie uns nicht Tiefe geben, sondern sie werden dann ja
auch nur Instrumente unseres Egoismus, durch die wir versuchen, noch schlagkräftiger zu werden. Das Christentum
hat selbst seine Meditation, seine meditative Mitte, so wir in unserem
Aktivismus es nicht vergessen; sie ist dargestellt in der hörenden Mutter des
Herrn"[10].
Brückenheiliger im doppelten Sinne des Wortes ist sodann der hl. Johannes
Nepomuk, eine "Brücke der Einheit und Versöhnung", vor allem im Blick auf die
Sudetendeutschen am Pfingstsonntag 1979 in München gesagt.[11] An die großen Traditionslinien des Mittelalters erinnert seine Predigt zum
Gedächtnis der hl. Dorothea von Montau am 17. Juni 1979 in der Münchener St.
Michaelskirche.[12] Bei
der Priesterweihe am 30. Juni 1979 in Freising stellt er den Weihekandidaten
das Beispiel des hl. Martyrerpriesters und Minoritenpaters Maximilian Kolbe aus
Polen vor Augen: "Gerade weil Auschwitz ist, brauchen wir den Glauben, brauchen
wir die Gegenwart der Auferstehung und des Sieges der Liebe; nur der
Auferstandene kann den Stern der Hoffnung aufgehen lassen, der uns leben läßt"[13].
Aus Anlaß der Tagung des Deutschen Caritasverbandes betont der Kardinal die
Verpflichtung zur christlichen Nächstenliebe über die Grenzen der Nationen und
Konfessionen hinaus, wie es im Leben der hl. Hedwig von Schlesien manifest
geworden ist.[14] Anläßlich des Bennofestes am 15. Juni 1980 im Münchener Liebfrauendom
unterstreicht der Oberhirte die Notwendigkeit der "Unterscheidung des
Christlichen"[15], insofern
der Bischof von Meißen an die Zeit der schmerzvollen Glaubensspaltung im 16.
Jahrhundert erinnert. Der 700. Todestag des Dominikanertheologen und Bischofs
von Regensburg Albertus Magnus ruft die Universalität der christlichen Sendung
in Erinnerung, den "Willen zur ganzen Wahrheit", ohne die Europa zu einer
"versinkenden alten europäischen Kultur"[16] degenieren würde.[17]In einer Predigt in Krakau am
13. September 1980
aus Anlaß des Besuchs einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz beim
polnischen Episkopat deutet Kardinal Ratzinger die Gottesmutter als Versöhnerin
der europäischen Völker: "Das Bild der Mutter des Herrn gehört zur Herzmitte
der europäischen Kultur. […] Die gemeinsame Mutter gibt uns eine gemeinsame
Sprache; so verschieden auch die Lieder und die Gebete in den einzelnen Ländern
sind – sie haben alle den gleichen Klang des Herzens: im Aufblick zur Mutter
endet der Trotz und endet die Feindschaft. Sie schenkt die Versöhnung, sie
führt zum Sohn"[18]. Der
Münchener Erzbischof macht sich am
26. April 1981
in seiner Homilie am 400.
Geburtstag des französischen Heiligen Vinzenz von Paul dessen Worte zu eigen:
"Den Armen die frohe Botschaft verkündigen"[19] und spannt den Bogen zu einem Europa, das sich im sozialen Tun bewährt. Im
gleichen Jahr, am
31.
Dezember 1980
, ernennt Papst Johannes Paul II., der sich häufig und
intensiv mit dem Europagedanken beschäftigt hat,[20] die Slawenmissionare Cyrill (826/827 bis 869) und Methodius (um 815 bis 885) in
einem Apostolischen Schreiben zu Mitpatronen Europas.[21] Ein Jahr zuvor hatte es in einer Predigt Johannes Pauls II. vor der Kathedrale
von Gnesen bereits geheißen: "Will nicht Christus vielleicht, fügt es nicht der
Heilige Geist, daß dieser polnische, dieser slawische Papst gerade jetzt die
geistige Einheit des christlichen Europas sichtbar macht, das durch die zwei
großen Traditionen des Westens und Ostens geprägt wurde"[22].
2. Peripetie – Vortrag
anläßlich der Tagung "Europa und die Christen" (1979)
Im Gegensatz zur Predigtsammlung
"Christlicher Glaube und Europa", in der insgesamt ein hoffnungsvoller Ton
vorherrschte, schlägt die Stimmung im Artikel "Europa – verpflichtendes Erbe
für die Christen" deutlich um.[23] Der anlässlich der Tagung "Europa und die Christen" der Katholischen Akademie
Bayern am 29. April 1979 in Straßburg gehaltene Vortrag, der zunächst im
hauseigenen Periodikum[24] und vier Jahre später in einem von Franz Kardinal König und Jesuitenpater Karl
Rahner herausgegebenen Band erschien, schlägt auffallend andere Töne an. Der in
drei Teile gegliederte Aufsatz wendet sich zunächst den "Gegenbildern zu
Europa" zu. Es gibt einen starken "Trend, der hinter das europäische Element in
der Geschichte zurück möchte. Er will Geschichte sozusagen reinigen vom
Einbruch des Europäischen, das als Entfremdung vom Eigenen oder überhaupt als
Erbsünde der Geschichte, als der Grund für die lebensgefährliche Krise
angesehen wird, in der die Menschheit heute steht"[25].
Für diesen "Trend" macht er drei Bewegungen verantwortlich. Erstens: "Der Islam
ist schon in seiner Entstehung in gewisser Hinsicht ein Zurückgehen zu einem
Monotheismus, der die christliche Wende zum menschgewordenen Gott nicht
aufnimmt und sich ebenso der griechischen Rationalität und ihrer Kultur
verschließt, welche über den Gedanken der Menschwerdung Gottes zum Bestandteil
des christlichen Monotheismus geworden war"[26].
Zweitens macht Joseph Ratzinger die "Krise" aus, "in die das europäische
Vernunftrecht geraten ist, nachdem es sich selber seiner religiösen Grundlagen
gänzlich begeben hat und faktisch in eine Herrschaft der Anarchie umzuschlagen
droht. In dem Augenblick, wo Europa seine eigenen geistigen Grundlagen in Frage
stellt oder aufhebt, sich von seiner Geschichte trennt und sie zur Kloake
erklärt, kann die Antwort einer nichteuropäischen Kultur nur die radikale
Reaktion und das Zurück hinter die Begegnung mit den christlichen Werten sein"[27].
Drittens kennzeichnet der Kardinal den "Nationalsozialismus" des vergangenen
Jahrhunderts als die "grausamste und erschreckendste Form des Rückgangs hinter
das Christentum", war doch diese Ideologie "seiner Grundtendenz nach Absage an
das Christentum"[28].Eine zweite Antithese zur
geschichtlichen und moralischen Gestalt Europas erblickt Joseph Ratzinger, wie
er formuliert, in der "Flucht nach vorn", in einer "totalen Emanzipation" und
einer "unbegrenzten Vernunftautonomie", mit der Konsequenz, "daß der gesamte
Bereich der Werte, der gesamte Bereich dessen, was ‚über uns ist’, aus dem Raum
der Vernunft herausfällt und daß zum einzig bindenden Maßstab der Vernunft und
damit des Menschen politisch wie individuell das wird, was ‚unter ihm ist’,
nämlich die experimentell verfügbaren, mechanischen Kräfte der Natur"[29].
Die Konsequenzen dieses Ansatzes liegen auf der Hand: "In einer Gesellschaft
aber, in der Gott nicht mehr gemeinsames und öffentliches Summum bonum sein
kann, sondern ins Private verwiesen ist, ist der Rang Gottes auch für den
einzelnen verändert. Eine Gesellschaft, in der die eben gezeichnete Bewegung
total geworden wäre, würde ich als post-europäisch bezeichnen"[30].Eine dritte Gegenkraft zur
moralischen Gestalt Europas diagnostiziert Kardinal Ratzinger im "Marxismus"
als der "imponierendsten Form der Abwendung von der Geschichtsgestalt Europas".
"Sein Summum bonum erblickt er in der Weltrevolution, das heißt in der totalen
Absage an die bisherige Welt, wobei die neu zu schaffende Welt als Negation der
Negation die totale Positivität sein muß. In der Verbindung der beiden
Gegenbewegungen zum Europäischen qualifiziert sich der Marxismus als die
radikalste Antithese nicht nur zum Christlichen als solchem, sondern auch zu
der vom Christentum geprägten Geschichtsgestalt". "Demgemäß ist der Marxismus
Produkt Europas, aber zugleich die entschiedenste Absage an Europa im Sinne
jener inneren Identität, die es in seiner Geschichte ausgebildet hatte"[31].Auf diese negativen Abgrenzungen
folgen "Positive Komponenten des Begriffs Europa" in vier Schritten. "Europa
erscheint […] zunächst konstituiert durch den Geist Griechenlands. Vergäße es
sein griechisches Erbe, so könnte es nicht mehr Europa sein". Inhaltlich
bezeichnet es die Demokratie, die an die "Gültigkeit des guten Rechtes"
"gebunden ist und nur in solcher Beziehung Demokratie bleiben kann"[32].
In einem zweiten Schritt kommt das christliche Erbe hinzu, weil der Ausgangspunkt
des Evangeliums im Orient liegt. "Der Weg, den die Apostelgeschichte zeichnet,
ist als ganzer ein Weg von Jerusalem nach Rom, der Weg zu den Heiden, von denen
Jerusalem zerstört wird und die es doch auf eine neue Weise in sich aufnehmen"[33].
Drittens kommt das lateinische Erbe hinzu, wobei "dieser lateinische Raum ja
nicht nur die romanischen Völker, sondern auch die germanischen,
angelsächsischen und einen Teil der slawischen, vor allem Polen, umfaßte". Es
wird "kein Europa geben können, das sich des lateinischen Erbes, des Erbes des
christlichen Okzident im beschriebenen Sinn entledigen würde"[34].
Und viertens kommt das "Erbe der Neuzeit" hinzu. Von der "Neuzeit als
wesentlicher und unverzichtbarer Dimension des Europäischen" müssen "die
relative Trennung von Staat und Kirche, die Gewissensfreiheit, die
Menschenrechte und die Eigenverantwortung der Vernunft übernommen, zugleich
aber gegenüber ihrer Radikalisierung die Gründung in der Ehrfurcht vor Gott und
vor den grundlegenden sittlichen Werten, die aus dem christlichen Geist kommen,
festgehalten werden"[35].Kardinal Ratzinger konkretisierte
diese im Jahre 1983 veröffentlichten Gedanken während der Begegnung der
Verantwortlichen der römischen Kongregation für die Glaubenslehre mit den
Vorsitzenden der Glaubenskommissionen der Bischofskonferenzen in Europa in der
Zeit vom 2. bis
5.
Mai 1989
in Wien. Ein Bericht faßt seine Überzeugungen wie folgt
zusammen: "Die Hauptschwierigkeiten für den katholischen Glauben im Europa von
heute bestehen in der Verständnislosigkeit gegenüber dem Naturbegriff der
katholischen Ethik, in der Reduktion des biblischen Christusbildes auf einen
‚liberal-bürgerlichen oder marxistisch-revolutionären Jesus’ und in der
Aushöhlung der christlichen Hoffnung auf ewiges Leben durch innerweltliche
Utopien"[36].
3. Vortrag in Speyer über "Europa – Hoffnungen und Gefahren" (1990)
Als die in der Pfalz gelegene
Stadt Speyer im Jahre 1990 ihr 2000jähriges Bestehen beging, wurde der Präfekt
der Kongregation für die Glaubenslehre gebeten, den Festvortrag zu halten, der
unter dem Thema stand "Europa – Hoffnungen und Gefahren"[37].
Darin entfaltet der bayerische Kardinal seine bisher veröffentlichten Gedanken,
gibt ihnen aber, auch im Hinblick auf die erste "Sonderversammlung für Europa"[38] im Jahre 1991, bei der Papst Johannes Paul II. in seiner Abschlußansprache dem
Martyrium eine hohe Wertschätzung einräumte,[39] mehrere Wendungen und Konkretisierungen.Im "Augenblick der Not", so hebt
er an, "als der zum ideologischen Wahn gesteigerte Nationalismus die Länder des
alten Kontinents verwüstet hatte", "besann man sich wieder auf die gemeinsame
Wurzel, auf die in vielfältigem Austausch gewachsene gemeinsame Kultur, das
sittliche und religiöse Erbe, auf die Rationalität der Kultur und ihre
einheitsstiftende Kraft. Europa wurde in jener Situation [gemeint ist die Zeit
nach 1945, Anm. H. M.] zum Ausdruck des Einenden und Gemeinsamen, das
Trennungen vorauslag und durch sie nie ganz hatte ausgelöscht werden können. So
hat der Europa-Gedanke in der Nachkriegszeit sich als positive moralische Kraft
bewährt… Er ermöglichte eine Friedensordnung zwischen den einst Verfeindeten,
ließ die Welt für den einzelnen offener und größer werden und gab zugleich
wirtschaftlichen Wohlstand, ja Macht. Europa – ein Wort für Friede und
Versöhnung: das ist das Große und Positive an der Europa-Erfahrung unserer
Epoche"[40].
Gleichzeitig beklagt Joseph Ratzinger die "zwei Sündenfälle Europas in der
Neuzeit"[41],
deren Auswirkungen bis in unsere Gegenwart fortwirken. Dessen erster besteht
vor allem seit der Französischen Revolution im Jahre 1789 in dem "europäischen
Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts"[42],
weil nahezu jede Nation sich mit einer Machtfülle umkleidete. "Eine jede davon
empfand sich nun selbst als maßstäblich für die Verwirklichung des eigentlich
Humanen und erhob den Anspruch, ihre eigene Lebensform und damit ihre Macht in
der ganzen übrigen Welt zur Geltung zu bringen. Man könnte von einer
eigentümlichen Verbindung zwischen Nationalismus und Universalismus sprechen:
Die Einheit der Welt sollte im Zeichen der eigenen Nation entstehen; sie
beruhte auf dem Vorrang des Eigenen und nicht auf dem Ausgleich des Ganzen. Das
‚Gott mit uns’ war Ausdruck einer Vereinnahmung des Heiligen, in der man die
Kräfte des Christlichen fürs Nationale zu mobilisieren versuchte"[43],
verbunden mit einer "Mythisierung des Nationalen"[44].Der Gefahr des Nationalismus
gesellt sich die "Ausschließlichkeit der technischen Vernunft und die
Zerstörung des Ethos"[45] zur Seite. Die Verbindung von "Fortschrittsglaube, Absolutsetzung der
wissenschaftlich-technischen Zivilisation und Verheißung der neuen Menschheit"[46] arbeiten dem mit Sympathie aufgegriffenen Marxismus und seinem mit ihm
verbundenen politischen Messianismus in die Hände. "Dieser systematische
Ausschluß des Göttlichen aus der Gestaltung von Geschichte und Menschenleben
unter Berufung auf die Endgültigkeit wissenschaftlicher Einsicht ist vielleicht
das eigentlich Neue und zugleich das wahrhaft bedrohliche Element an jenem
seltsamen Produkt Europa, das wir Marxismus nennen"[47].
Diese mehr und mehr um sich greifende Technisierung der Vernunft führt zur
Zerschlagung der großen sittlichen Überlieferungen Europas, ohne die Europa
nicht definiert werden kann. "Es bedeutet weiterhin, daß der Geist des Habens,
des Machens und der Flucht ins Morgen mit seiner leeren Verheißung weltweit
werden. Es bedeutet eine Einheit der Menschheit, die zugleich ihre wahrhaft
vereinigenden Kräfte mit ihren großen gemeinsamen sittlichen Grundüberzeugungen
zum Erlöschen bringt"[48].
Worin zeigen sich diese zerstörerischen Kräfte im Alltag und in der Praxis? Die
Zerstörung ethischer Grundlagen wird vor allem in der "epidemischen Ausbreitung
einer Zivilisation des Todes"[49],
also in der öffentlichen und damit rechtlich abgesicherten Erlaubnis zur Tötung
von ungeborenen Kindern im Mutterleib, aber auch in der bereits in den Niederlanden und in Belgien straffrei
vorgenommenen Tötung von Schwerstkranken. Wenn nur noch "gruppenbestimmte
Maßstäbe"[50] obsiegen, wenn das "Recht nur noch auf Mehrheitsmeinungen aufbaut"[51],
nicht aber auf der Tugend der Gerechtigkeit, die den demokratischen Staat
konstituieren sollte, wird der uns regierende Staat, wie der heilige Bischof
und Kirchenvater Augustinus von Hippo schon befürchtete, zur "Räuberbande"[52].Aus dem Gesagten zieht Kardinal
Ratzinger im Blick auf ein Europa der Zukunft drei Konsequenzen. Erstens: Gegen
die Imaginationen einer "angeblich bessere(n) Welt von morgen", die "eine Fata
Morgana" ist, "die dem Heute seine Kraft und Würde nimmt, dem Morgen aber dabei
nicht dient", muß die "Absage an den Fortschrittsglauben"[53] lautstark verkündet werden. Anders formuliert: "Vom Mythos innerweltlicher
Eschatologien müssen wir Abschied zu nehmen lernen. Wir dienen dem Morgen dann
am besten, wenn wir im Heute gut sind und wenn wir es gestalten in der
Verantwortung vor dem, was heute und morgen das Gute ist"[54].
Zweitens: Da heutzutage die Regel heißt: "Moral wird durch Mechanik ersetzt",
müssen wir zur "Überordnung der Ethik in der Politik"[55] zurückkehren. "Ohne die ständige Mühe um den moralischen Konsens in den großen
Grundfragen des menschlichen Ethos gibt es keine öffentliche Macht der
Moralischen und ohne diese kein gelingendes Miteinander der Menschen"[56].
Drittens: Damit die großen sittlichen Traditionen Europas nicht zerstört
werden, bedarf es der "Unverzichtbarkeit des Gottesgedankens für die Ethik"[57].
"Das Gute hinter und über den Gütern ist in der europäischen Tradition auf
einer Grundlage formuliert worden, die Europa sich nicht selbst gegeben,
sondern aus höherer Überlieferung empfangen hat: in den Zehn Geboten, in denen
im übrigen Israel und die Christenheit mit den ältesten und reinsten
Traditionen der ganzen Menschheit kommunizieren. In ihnen ist auch der
wesentliche Kern dessen grundgelegt, was die frühe Neuzeit unter dem Begriff
der Menschenrechte formuliert hat; sie sind ihrerseits die Grundlage der
Unterscheidung des sich selbst begrenzenden vom totalitären Staat geworden"[58].
4. Unter dem Eindruck des Zerfalls des Marxismus
Ein Jahr nach dem Festvortrag in
Speyer "Europa – Hoffnungen und Gefahren" legt Kardinal Ratzinger unter dem
Titel "Wendezeit für Europa?" eine erste Analyse nach dem Fall der Berliner
Mauer und des damit einhergehenden Zusammenbruchs des Marxismus dar.[59] Zunächst vergleicht er den Sturz der Mauern Jerichos in vorsichtiger Weise mit
dem Einreißen der trennenden Mauer, die Berlin seit dem Jahre 1961 in zwei
Stadtbereiche geteilt hatte, um im Anschluß daran die tieferen Ursachen
aufzuspüren, welche aus der Kraft der wiedergewonnenen Freiheit wachsen. Wer
nämlich "den Marxismus aufgibt, hat damit noch nicht automatisch eine neue
Lebensgrundlage gefunden. Der Verlust einer ehedem das Leben tragenden
Ideologie kann sehr leicht auch in Nihilismus umschlagen, und das wäre dann
wirklich die Herrschaft der sieben schlimmeren Geister. Wer aber könnte sich
verbergen, daß der Relativismus, dem wir heute alle ausgesetzt sind, ein
wachsendes Gefälle zum Nihilismus entwickelt"[60].Auf dieser Grundlage erfolgt eine
Diagnose in drei Schritten. Angesichts des wiedervereinten Deutschlands gilt
es, Folgendes zu bedenken: "Die gemeinsame europäische Aufgabe dieser Stunde
stellt sich in Deutschland im konkretesten und nachdrücklichsten: In unserem
Land müssen ein Staat der ehemaligen östlichen Sphäre Europas und eine nach dem
Krieg gewordene Demokratie westlicher Prägung zu einem einzigen Lebensraum
zusammenwachsen. Dieses Zusammenwachsen muß zugleich Hineinwachsen in eine
europäische Gemeinschaft sein, in der die Nationen nicht mich autonome Größen
mit hegemonialen Ansprüchen anderen gegenüber sind, sondern Elemente einer
vielgestaltigen größeren Gemeinschaft, in der alle gebend und empfangend
einander überwunden werden: der Nationalismus und die ideologische Spaltung"[61].In einem zweiten Schritt
behandelt Ratzinger das Verhältnis von Europa zur "dritten Welt". Er macht den
seit Jahren erkennbaren "Aufstand gegen die europäische Kultur und Tradition"[62] an mehreren Beispielen aus. "Das Gedenken an die 500 Jahre seit dem Einbruch
Europas in Amerika soll zum Erinnern an die Unterdrückung der indianischen
Kulturen führen, die man als die wahre Seele Südamerikas wieder finden möchte.
Daneben steht eine leidenschaftliche Zuwendung zu den nach Amerika
verschleppten Schwarzen und die Klage über den Verlust ihrer kulturellen und
religiösen Identität. Beide Bewegungen identifizieren Europa und Christentum;
sie sind insofern auch Aufstand gegen das Christentum als Herrschaftsreligion
und als Macht der Entfremdung"[63].
Darüber hinaus wendet Kardinal Ratzinger seinen Blick auf den oft vergessenen
Kontinent Afrika, indem er ausführt: "Die jungen afrikanischen Intellektuellen,
die an europäischen Universitäten studierten, lernten im allgemeinen nur eine
ethisch und religiös absolut abstinente Wissenschaft kennen. Ihnen blieb bloß
die Wahl zwischen Positivismus und Marxismus, aber keine der beiden
Philosophien ist imstande, eine Gesellschaft aufzubauen, in der Freiheit und
Recht sinnvoll miteinander vermittelt sind. Der Zorn, der sich heute in der
dritten Welt zunehmend gegen Europa und Amerika ausbreitet, hat hier seine
tiefsten Wurzeln"[64].Der dritte und letzte Schritt
betrifft den Islam, der mit einem starken religiösen Selbstbewusstsein auf
Europa stößt, wobei "Religion, Kultur und Politik in einer unauflöslichen
Einheit miteinander stehen"[65].
Dessen Gefahren dürfen nicht übersehen werden, denn eine
"Buchstabenversessenheit religiöser Traditionen verbindet sich vielfach mit
politischem und militärischem Fanatismus, in dem Religion direkt als Weg
irdischer Macht angesehen wird"[66].Nach dieser Standortbestimmung
formuliert Ratzinger den daraus sich ergebenden "Auftrag": "Staat und
Gesellschaft" dürfen nicht Handlanger der "Privatisierung der Moral" sowie
"ihrer Reduktion auf das Kalkül des Erfolgreichen"[67] sein, sondern die unverletzliche Würde des Menschen schützen und fordern. "Die
innere Ranghöhe einer Gesellschaft zeigt sich darin, welche Werte sie für
schutzwürdig ansieht", weil einer "pathologischen Besorgtheit um den Schutz
unserer physischen Integrität" nicht selten "eine weitgehende Unempfindlichkeit
für die moralische Integrität des Menschen"[68] gegenübersteht. Was die Aufgabe der Kirche unter den gewandelten Bedingungen
der Gegenwart anbelangt, so soll sie "wirklich sie selber sein"[69],
von ihrem Wesen her "auf Gott gerichtet"[70] sein sowie durch "Zeugnis, durch Liebe, Leben und Leiden dem Göttlichen den
Raum bereiten und so der Gesellschaft helfen, ihre moralische Identität zu
finden"[71].
5. "Chancen und Gefahren für Europa" – Vortrag in Cernobbio (2001)
Zu Beginn der "Zweiten Sonderversammlung
für Europa" rief Papst Johannes Paul II. am
1. Oktober 1999
drei Mitpatroninnen
Europas aus. In einem als Motu proprio erlassenen Apostolischen Schreiben ernannte der Pontifex die hl. Birgitta von
Schweden, die hl. Katharina von Siena und die hl. Karmelitin Teresia Benedicta
a Cruce (Dr. Edith Stein) zu Mitpatroninnen Europas, ohne die bisherigen
Patrone Benedikt von Nursia sowie Cyrill und Methodius zu vergessen.[72]Am
8. September 2001
hielt Kardinal
Ratzinger einen Vortrag vor Wirtschaftsfachleuten und Politikern im
italienischen Cernobbio bei Como. Das mit "Chancen und Gefahren für Europa"
betitelte Referat, das in deutscher Übersetzung erstmals in dem Sammelband
"Werte in Zeiten des Umbruchs. Die Herausforderungen der Zukunft bestehen" im
Jahre 2005 veröffentlicht wurde, bekräftigt bereits aufgezeichnete Linien des
Europagedankens, werden aber mit neuen Elementen verbunden.[73]Zu den bereits bekannten Gedanken
gehört die Absage an die trennenden Nationalismen, welche durch die "Suche nach
einer gemeinsamen Identität"[74],
und zwar im Blick auf eine "europäische Identität"[75] abgelöst werden muß. "Es ist kein Zweifel, dass bei den Gründervätern der
europäischen Einigung das christliche Erbe als Kern dieser geschichtlichen
Identität angesehen wurde, natürlich nicht in konfessionellen Formen; das
Gemeinchristliche schien über die konfessionellen Grenzen hinweg als
verbindende Kraft weltlichen Handelns durchaus erkennbar. Es wurde auch nicht
als unvereinbar mit den großen moralischen Impulsen der Aufklärung angesehen,
die sozusagen die rationale Seite des Christlichen herausgestellt hatten und
bei allen historischen Gegensätzen durchaus mit den wesentlichen Impulsen der
christlichen Geschichte Europas vereinbar schien"[76].Diese Vernunft unterliegt jedoch
in unserer Gegenwart der Gefahr der Zerstörung. "Der Maßstab der Vernünftigkeit
wird allein aus den Erfahrungen des wissenschaftlich fundierten technischen
Machens genommen. Rationalität richtet sich auf Funktionalität, auf
Effektivität, auf Steigerung der Lebensqualität für alle. Die Verfügung über
die Natur, die damit vorgegeben ist, wird freilich durch die dramatisch
werdenden Umweltfragen zum Problem. Viel ungenierter schreitet inzwischen die
Verfügung des Menschen über sich selbst voran. Huxleys Visionen werden
zusehends Realität: Der Mensch soll nicht mehr irrational gezeugt, sondern
rational produziert werden. Über den Menschen als Produkt aber verfügt der
Mensch. Die unvollkommenen Exemplare sind auszuscheiden, der vollkommene Mensch
anzustreben, auf dem Weg über Planung und Produktion. Das Leid soll
verschwinden, das Leben nur noch lustvoll sein"[77].Im Gegensatz zu diesem Szenarium
entwirft der Vizedekan des Kardinalskollegiums einige "Pfeiler ethischer
Ordnungen"[78].
Angesichts der bohrenden Frage: "Braucht Europa, braucht die Welt nicht doch
korrigierende Elemente aus seiner großen Tradition und aus den großen ethischen
Traditionen der Menschheit?"[79] entwirft er einige wesentliche Grundlinien: Gegen die schleichende Gefahr des
um sich greifenden Relativismus unterstreicht er: "Es gibt keine Güterabwägung,
die es rechtfertigt, den Menschen als Experimentiermaterial für höhere Zwecke
zu behandeln. Nur wenn wir hier ein Absolutum sehen, das über allen
Güterabwägungen steht, handeln wir wirklich ethisch und nicht kalkulatorisch.
Unantastbarkeit der Menschenwürde – das bedeutet dann auch, dass diese Würde
für jeden Menschen gilt, dass diese Würde für jeden gilt, der Menschenantlitz
trägt und der biologisch zur Spezies Mensch gehört. Funktionale Kriterien
können hier keine Geltung haben. Auch der leidende, der behinderte, der
ungeborene Mensch ist Mensch"[80].
Die Anerkennung der Menschenwürde schließt ein, Gott als Schöpfer anzuerkennen.
Die Konsequenz für die heutigen Fragen der Umwelt und der Klimazerstörung sind
unausweichlich: "Herrschaft über die Natur im Sinn des biblischen
Schöpfungsberichts bedeutet nicht gewalttätige Ausnutzung der Natur, sondern
das Verstehen ihrer inneren Möglichkeiten und fordert so die sorgsame Form, in
der der Mensch der Natur und die Natur dem Menschen dient"[81].
6. "Europas
Identität" auf dem Prüfstand
Bei einem Vortrag vor dem
Italienischen Senat am
13. Mai 2004
wandte sich der Präfekt der Kongregation für
die Glaubenslehre an die Kernfrage, was unter den Bedingungen der Gegenwart "Europas
Identität" ausmacht und was seine "geistigen Grundlagen gestern, heute und
morgen" sind.[82] Seine Intervention fand sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft ein
aufmerksames Echo. Im Anschluß an die umfangreiche
Monographie des US-amerikanischen Gelehrten Peter Brown über die Entstehung des
christlichen Europas[83] geht der Dekan des Kardinalskollegiums den verschlungenen Wegen der Ursprünge
Europas und des christlichen Abendlandes nach, ihren unterschiedlichen und
wechselhaften geographischen Zuordnungen und verschiedenen staatspolitischen
Herrschaftsgebilden, um am Ende folgende Konstanten herauszuarbeiten. Zu den
verbindenden Elementen gehört an "erster Stelle das gemeinsame Erbe der Bibel
und der alten Kirche, das übrigens in beiden Welten über sich hinausweist auf
einen Ursprung, der nun außerhalb Europas, in Palästina liegt; dazu die
gemeinsame Reichsidee, das gemeinsame Grundverständnis der Kirche und damit
auch die Gemeinsamkeit grundlegender Rechtsvorstellungen und rechtlicher
Instrumente; schließlich würde ich auch das Mönchtum erwähnen, das in den
großen Erschütterungen der Geschichte der wesentliche Täger nicht nur der
kulturellen Kontinuität, sondern vor allem der grundlegenden religiösen und
sittlichen Werte, der letzten Orientierungen des Menschen geblieben sind und
als vorpolitische und überpolitische Kraft zum Träger der immer wieder nötigen
Wiedergeburten wurde"[84].
In Anbetracht der Gewaltentrennung zwischen Kaiser und Papst im Mittelalter
erwuchs dem christlichen Abendland angesichts der Universalisierung der
europäischen Kultur ein Gegenüber im Islam. "Die Renaissance des Islam ist
nicht nur mit dem neuen materiellen Reichtum islamischer Länder verbunden,
sondern auch von dem Bewusstsein gespeist, dass der Islam eine tragfähige geistige
Grundlage für das Leben der Völker zu bieten vermöge, die dem alten Europa
abhanden gekommen zu sein scheint, das so trotz seiner noch währenden
politischen und wirtschaftlichen Macht immer mehr zum Abstieg und zum Untergang
verurteilt angesehen wird. Auch die großen religiösen Traditionen Asiens, vor
allem seine im Buddhismus ausgedrückte mystische Komponente erheben sich als
geistige Kräfte gegen ein Europa, das seine religiösen und sittlichen
Grundlagen verneint"[85].
Anders formuliert: "Mit dem Sieg der posteuropäischen technisch-säkularen Welt,
mit der Universalisierung ihres Lebensmusters und ihrer Denkweise verbindet
sich weltweit, besonders aber in den streng nicht-europäischen Welten Asiens
und Afrikas der Eindruck, dass die Wertewelt Europas, seine Kultur und sein
Glaube, worauf seine Identität beruhten, am Ende und eigentlich schon
abgetreten sei; dass nun die Stunde der Wertesysteme anderer Welten, des
präkolumbianischen Amerika, des Islam, der asiatischen Mystik gekommen sei.
Europa scheint in dieser Stunde seines äußersten Erfolgs von innen her leer
geworden, gleichsam von einer lebensbedrohenden Kreislaufkrise gelähmt,
sozusagen auf Transplantate angewiesen, die dann aber doch seine Identität
aufheben müssen. Diesem inneren Absterben der tragenden seelischen Kräfte
entspricht es, dass auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verabschiedung
begriffen erscheint"[86].Auf diesen Paukenschlag folgen
konkrete Beispiele: "Kinder, die Zukunft sind, werden als Bedrohung der
Gegenwart angesehen"[87].
Von den Staatskirchen heißt es: "Von religiösen Körpern, die Derivate des
Staates sind, geht keine moralische Kraft aus, und der Staat selbst kann
moralische Kraft nicht schaffen, sondern muss sie voraussetzen und auf ihr
aufbauen"[88].
Ferner. "Die Auflösung der Urgewissheiten des Menschen über Gott, über sich
selbst und über das Universum – die Auflösung des Bewusstseins moralischer
Werte, die nie zur Disposition stehen, ist noch immer und gerade jetzt wieder
unser Problem und kann zur Selbstzerstörung des europäischen Bewusstseins
führen, die wir […] als eine reale Gefahr ins Auge fassen müssen"[89].
"Für die Väter der europäischen Einigung nach den Verwüstungen des Zweiten
Weltkriegs – Adenauer[90],
Schumann[91] (sic!), de Gasperi[92] – war es klar, dass es eine solche Grundlage gibt und dass sie im christlichen
Erbe unseres durch das Christentum gewordenen Kontinents besteht"[93],
aber die in den folgenden Jahrzehnten einsetzende "Ausklammerung der Frage nach
den geistigen Grundlagen einer
solchen Gemeinschaft"[94] und der hiermit einhergehende "Werteverfall"[95] lassen sich nicht übersehen. Dies zeigt sich nachgerade im "Bereich des
sogenannten medizinischen Fortschritts", ob wir an die "Klonation, an die
Vorratshaltung menschlicher Föten zum Zweck der Forschung mit der Organspende,
an den ganzen Bereich der genetischen Manipulation denken – die stille
Auszehrung der Menschenwürde, die hier droht, kann niemand übersehen"[96].
Was den Bereich von Ehe und Familie angeht, so beklagt der Purpurträger, so
wäre Europa "nicht mehr Europa, wenn diese Grundzelle seines sozialen Aufbaus
verschwände oder wesentlich verändert würde. Wir alle wissen, wie sehr Ehe und
Familie heute gefährdet sind – zum einen durch die Aushöhlung ihrer
Unauflöslichkeit durch immer leichtere Formen der Scheidung, zum anderen durch
ein sich immer mehr ausbreitendes neues Verhalten, das Zusammenleben von Mann
und Frau ohne die rechtliche Form der Ehe"[97].
Dann spricht er den vorläufigen Höhepunkt der Verirrung an: "In krassem
Gegensatz dazu steht das Verlangen homosexueller Lebensgemeinschaften, die nun
paradoxerweise eine Rechtsform verlangen, die mehr oder weniger der Ehe
gleichgestellt werden soll. Mit dieser Tendenz tritt man aus der gesamten
moralischen Geschichte der Menschheit heraus, die bei aller Verschiedenheit der
Rechtsformen der Ehe doch immer wusste, dass diese ihrem Wesen nach das
besondere Miteinander von Mann und Frau ist, das sich auf Kinder hin und so auf
die Familie hin öffnet. Hier geht es nicht um Diskriminierung, sondern um die
Frage, was der Mensch als Mann und Frau ist und wie das Miteinander von Mann
und Frau recht geformt werden kann. Wenn einerseits ihr Miteinander sich immer
mehr von rechtlichen Formen löst, wenn andererseits homosexuelle Gemeinschaft
immer mehr der Ehe gleichrangig angesehen wird, stehen wir vor einer Auflösung
des Menschenbildes, deren Folgen nur äußerst gravierend sein können[98].Im Gegensatz dazu fordert
Kardinal Ratzinger die nötige Ehrfurcht vor dem Absoluten: "die Ehrfurcht vor
dem, was dem anderen heilig ist und die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt,
vor Gott, die sehr auch demjenigen zumutbar ist, der selbst nicht an Gott zu
glauben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen wird, geht in einer
Gesellschaft Wesentliches zugrunde[99].
7. Papst Benedikt XVI.
Als Joseph Kardinal Ratzinger
nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. am
19. April 2005
während eines der
kürzesten Konklave der Neuzeit zum Nachfolger des hl. Petrus gewählt wurde, gab
er sich den Namen Benedikt. Diesbezüglich schrieb einer der besten Kenner der
Szene, der US-amerikanische Gelehrte George Weigel: "Ein guter Standort, um
seine Gedanken zu lesen, ist sein Papstname. Der Name ist Programm, weil er
sein geistliches Patronat widerspiegelt.Der heilige Benedikt wurde 480 in
Nursia geboren, einem umbrischen Dorf nördlich von Rom. 49 Jahre später, im
Jahre 529, schloss Platos Akademie in Athen – gerade, als ein Klosterkomplex
für Benedikt und seine Brüder auf der Bergkuppe des Monte Cassino gebaut wurde.
Eine der wichtigsten Verkörperungen klassischer Kultur stellte soeben den
Betrieb ein, als ‚die Akademie der Christenheit’ (wie Joseph Ratzinger sie
einmal nannte) fest eingerichtet wurde – nicht nur auf einem felsigen
Berggipfel in Italien, sondern überall dort, wo Benedikts geistliche Söhne
später in ganz Europa zu finden waren.Es war ein günstiges Timing.
Bedrängt von Kriegen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen zerbrach das
westliche Römische Reich. Die kulturellen Verdienste, die Platos Akademie
symbolisierten, hätten verloren gehen und Athen ein Schicksal als die große
Maya-Kultur des Westens erfahren können. Dass die klassische Welt als Welt aus
klassischer Kultur, Ideen und moralischen Normen nicht verloren ging, hatte
viel mit Benedikt und seiner monastischen Bewegung zu tun. Denn das große
Verdienst der Mönche im so genannten finsteren Zeitalter war es nicht nur, das
kulturelle Erbe der klassischen Welt zu erhalten – obwohl dies allein eine
beachtliche Leistung gewesen wäre. Die Mönche transformierten zudem, was sie in
ihren Bibliotheken und Skriptorien aufbewahrten, indem sie die klassische
Kultur mit dem biblischen Verständnis des Menschen, seiner Herkunft,
Gemeinschaft und Bestimmung, durchdrangen.Das Ergebnis dieser Fusion Athens
mit Jerusalem und Rom ist das, was wir heute als ‚Europa’ kennen – oder im weiteren
Sinn als ‚den Westen’. Es war eine erstaunliche Leistung, die den weiteren
Verlauf der Weltgeschichte tiefgreifend formte und mit ihr die Geschichte des
Christentums"[100].In seinem zweiten Pontifikatsjahr
stattete Papst Benedikt in der Türkei Patriarch Bartholomaios I. einen Besuch
ab. Während dieser Tage haben beide am
30. November 2006
in Istanbul eine "Gemeinsame
Erklärung" abgegeben, in deren vierten Punkt Europa in den Mittelpunkt ihrer
Erörterung tritt. Dort heißt es u.a.: "Den Weg zur Bildung der Europäischen
Union haben wir positiv gewürdigt. Die Pioniere dieses bedeutenden Unterfangens
werden gewiss nicht versäumen, alle Aspekte zu berücksichtigen, die die
menschliche Person und ihre unveräußerlichen Rechte betreffen, insbesondere die
Religionsfreiheit, die der Beweis und Garant des Respekts vor jeder anderen
Freiheit ist. Bei jeder Initiative, Einheit herzustellen, sollten die
Minderheiten, ihre kulturellen Traditionen und ihre religiösen Besonderheiten
geschützt werden. In Europa müssen wir, ohne sich gegenüber den anderen
Religionen und ihrem kulturellen Beitrag zu verschließen, unsere Kräfte
vereinen; um die Wurzeln, Überlieferungen und christlichen Werte zu bewahren,
um den Respekt vor der Geschichte zu gewährleisten und um zur Kultur des Europa
von morgen und zur Qualität der menschlichen Beziehungen auf allen Niveaus
beizutragen"[101].Eine Audienz für die Teilnehmer
des von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft
(ComECE) veranstalteten Kongresses bietet Papst Benedikt XVI. am 24. März 2007
die günstige Gelegenheit, die aktuelle Lage der Einheit Europas kritisch zu
beleuchten. Die Kernaussagen seiner Ansprache sind folgende: "Unter dem
demographischen Gesichtspunkt hingegen muß man leider feststellen, daß Europa anscheinend
einen Weg eingeschlagen hat, der es zum Abschied von der Geschichte führen
könnte. […] Man könnte beinahe denken, daß Europa das Vertrauen in die eigene
Zukunft verliert. […] Aus all dem geht klar hervor, daß man nicht meinen darf,
ein echtes ‚gemeinsames Haus’ bauen zu können, wenn die den Völkern dieses
unseres Kontinents eigene Identität vernachlässigt wird. Es handelt sich in der
Tat zunächst um eine geschichtliche, kulturelle und moralische Identität und
erst an zweiter Stelle um eine geographische, wirtschaftliche oder politische;
um eine Identität, die aus einem Gesamt von universalen Werten besteht, zu
deren Formung das Christentum beigetragen hat; somit hat es nicht nur eine
historische, sondern eine gründende Rolle gegenüber Europa übernommen. Diese
Werte, die die Seele des Kontinents bilden, müssen im Europa des dritten
Jahrtausends als ‚Sauerteig’ der Zivilisation bestehen bleiben. Denn kämen sie
abhanden – wie könnte der ‚alte’ Kontinent weiterhin die Funktion eines
‚Sauerteigs’ für die ganze Welt erfüllen? Wenn die Regierungen der Union
anlässlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge sich ihren Bürgern
‚annähern’ wollen – wie könnten sie ein so wesentliches Element der
europäischen Identität wie das Christentum ausschließen, mit dem sich eine
große Mehrheit der Bürger weiterhin identifiziert? Ist es nicht Grund zur
Überraschung, daß das heutige Europa einerseits danach strebt, sich als eine
Wertegemeinschaft darzustellen, andererseits aber immer öfter zu bestreiten
scheint, daß es universale und absolute Werte gibt? Führt diese einzigartige
Form der ‚Apostasie’ von sich selbst, noch bevor sie Apostasie von Gott ist,
Europa vielleicht nicht dazu, an der eigenen Identität zu zweifeln? Schließlich
wird so die Überzeugung verbreitet, daß die ‚Güterabwägung’ der einzige Weg für
die moralische Unterscheidung und daß das Gemeinwohl ein Synonym für Kompromiß
sei. Der Kompromiß kann wohl ein legitimer Ausgleich von verschiedenen
Einzelinteressen sein; er verwandelt sich aber jedes Mal in Gemeinübel, wenn er
Vereinbarungen mit sich bringt, die für die Natur des Menschen schädlich ist.Eine Gemeinschaft, die aufgebaut
wird, ohne die echte Würde des Menschen zu achten, insofern sie vergisst, daß
jede Person als Abbild Gottes geschaffen ist, gereicht am Ende niemandem zum
Wohl. Deshalb scheint es immer unerlässlicher, daß sich Europa von dieser heute
so weit verbreiteten pragmatischen Haltung hüte, die den Kompromiß über die
wesentlichen menschlichen Werte systematisch rechtfertigt, als handle es sich
um die unvermeidliche Annahme eines vermeintlich kleineren Übels. Ein
derartiger, als ausgewogen und realistisch präsentierter Pragmatismus ist im
Grunde nicht so, gerade weil er jene Dimension der Werte und Ideale verneint,
die der menschlichen Natur innewohnen. Wenn dann einem solchem Pragmatismus
laizistische und relativistische Tendenzen und Strömungen eingepflanzt werden,
verweigert man am Ende den Christen das Recht, sich als solche in die
öffentliche Debatte einzubringen, oder es wird im besten Fall ihr Beitrag mit
dem Vorwurf herabgesetzt, sie wollten unberechtigte Privilegien schützen. Im
aktuellen geschichtlichen Moment und angesichts der vielen damit verbundenen
Herausforderungen kann die Europäische Union, wenn sie ein guter Garant des Rechtsstaates
und ein wirksamer Förderer der universalen Werte sein will, nicht umhin, mit
Klarheit das sichere Dasein einer beständigen und bleibenden menschlichen Natur
anzuerkennen, die Quelle gemeinsamer Rechte für jeden einzelnen ist,
einschließlich derer, die sie verneinen. In diesem Kontext ist das Recht auf
Verweigerung aus Gewissensgründen jedes Mal, wenn die grundlegenden
Menschenrechte verletzt werden, zu schützen"[102].Diese eindringliche Warnung
Benedikts XVI., die Europäer dürften sich nicht von ihrer eigenen Geschichte
abwenden, setzte einen Kontrapunkt zur Feierstimmung der EU-Staats- und
Regierungschefs, die sich im März 2007 in der deutschen Hauptstadt versammelt
haben.[103] Seine eindeutigen Forderungen fanden gleichwohl Rückhalt bei führenden EU-Politikern,
allen voran bei dem Präsidenten der Europaparlaments Hans-Gert Pöttering. Der
vormalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi gab zu Protokoll, er habe
während der Ausarbeitung der EU-Verfassung intensiv für eine Aufnahme eines
Gottesbezugs geworben, dabei sich aber bei einigen Staats- und Regierungschefs
eine Abfuhr geholt zu haben.[104] Als Papst Benedikt XVI. an der "Berliner Erklärung" wegen des fehlenden Bezugs
auf das jüdisch-christliche Erbe Kritik übte, äußerten sowohl die
EU-Ratspräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Verständnis.[105]In seinem Nachsynodalen
Apostolischen Schreiben Sacramentum
Caritatis vom
22.
Februar 2007
, das über die "Eucharistie, Quelle und Höhepunkt von
Leben und Sendung der Kirche" handelt, weist Benedikt XVI. in seinem
Schlußkapitel auf die Vorbilder dieses Sakramentes hin: "Wie viele Heilige
haben ihr Leben in sich glaubwürdig gemacht dank ihrer eucharistischen
Frömmigkeit!" Zu diesen eucharistischen Heiligen zählt er auch den hl. Benedikt
von Nursia.[106] Zu seiner Zeit hatte der Patron Europas die
Gottvergessenheit der westlichen Welt wachgerüttelt. Nach Benedikt XVI. steht
Europa angesichts der gegenwärtigen Krisen sowie der wachsenden Bedrohungen des
Menschen, der sich seiner eigenen Zukunft unsicher geworden ist, erneut am
Scheideweg seiner Geschichte.[107]
|
[1] C. P.
Thiede, Wir in Europa. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Bonn
1995) 14f.; andere Akzente setzt W. Kaltenstadler, Wie Europa wurde, was es ist.
Beiträge zu den Wurzeln der Europäischen Kultur (Groß-Gerau 2006).
[2] So
etwa E. Wolf, Art. Europa, in: RGG³ 2 (1958) Sp. 735; weiterführend D. Theraios
(zusammengestellt und eingeführt), Welche Religion für Europa? Ein Gespräch
über die religiöse Identität der Völker Europas. Hermann Kunst zum 85.
Geburtstag gewidmet (Bern u.a. 1992); M. Gerhards, Golgatha und Europa oder:
Warum das Evangelium zu den bleibenden Quellen des Abendlandes gehört
(Göttingen 2007).
[3] J.
Hanselmann, Verantwortung der Kirchen für die Zukunft Europas, in: G. Gillessen
(Hrsg.), Europa fordert die Christen. Zur Problematik von Nation und Konfession
(Regensburg 1993) 127.
[4] R.
Guardini, Europa – Wirklichkeit und Aufgabe, in: ders., Sorge um den Menschen.
Bd. 1 (Mainz – Paderborn 1988) 252f.; weiterführende Gesichtspunkte entfalten
K. Graf Ballestrem – S. Belardinelli – Th. Cornides (Hrsg.), Kirche und
Erziehung in Europa = Buchreihe "Politik und Religion" (Wiesbaden 2005), G.
Schenk, Christliche Volksfeste in Europa. Prozessionen – Rituale –
Volksschauspiele (Innsbruck – Wien 2006) und L. Hölscher (Hrsg.), Baupläne der
sichtbaren Kirche. Sprachliche Konzepte religiöser Vergemeinschaftung in Europa
= Bausteine zu einer europäischen Religionsgeschichte im Zeitalter der
Säkularisierung. Bd. 10 (Göttingen 2007)..
[5] P.
Kirchhof, Europäische Einigung und Verfassungsstaat, in: J. Isensee, Europa als
politische Idee und als rechtliche Form (Berlin 1994) 66.
[6] J.
Schwarz (Hrsg.), Katholische Kirche und Europa. Dokumente 1945-1979 = Reihe
Entwicklung und Frieden – Materialien 9 (München – Mainz 1980); vgl. A.
Casaroli, La Santa Sede e l’Europa, in: La Civiltà Cattolica 123/1
(1972) 367-381
; J. Höffner, Um die Zukunft
Europas. Die Antwort des Glaubens auf Säkularismus und Atheismus = Kirche und
Gesellschaft Nr. 52 (Köln 1978).
[7] Paul
VI., Ansprache in Montecassino bei der Weihe der wiedererrichteten Abtei (
24. Oktober 19
64),
in: AAS 56 (1964) 988f.
[8] J.
Ratzinger, Europa – verpflichtendes Erbe für die Christen, in: Europa.
Horizonte der Hoffnung. Hrsg. von F. König und K. Rahner (Graz – Wien – Köln
1983) 12.
[9] J.
Ratzinger, Gott suchen und finden: St. Korbininas Weg nach Bayern, in: ders.,
Christlicher Glaube und Europa. 12 Predigten (München 1981; ²1982; ³1985) 121;
zum Ganzen 113-124.
J.
Ratzinger, Maria, Mutter der Glaubenden, in: ders., Heiligenpredigten. Hrsg.
von St. O. Horn unter Mitarbeit von G. Besold (München 1997) 40, zum Ganzen
38-42.
J. Ratzinger., Brücke der
Einheit und Versöhnung. St.
Johann Nepomuk, in: ders. (Anm. 9) 55-62.
Ders., Wege nach innen:
Die Heilige Dorothea von Montau, in: ders. (Anm. 9) 33-41.
Ders., Die Antwort des Lebens geben: Das Beispiel des Heiligen Maximilian
Kolbe, in: ders. (Anm. 9) 47; zum Ganzen 45-52.
Ders., Adel und Würde der
Armen: Die Caritas der Heiligen Hedwig, in: ders. (Anm. 9) 65-73.
Ders., Die Unterscheidung
des Christlichen: Das Ringen des Heiligen Benno, in: ders. (Anm. 9) 77-84.
P. Seewald, Benedikt XVI.
Ein Porträt aus der Nähe (Berlin ²2005) 181.
J.
Ratzinger, Wille zur ganzen Wahrheit: Der christliche Gelehrte Albertus Magnus,
in: ders. (Anm. 9) 103-110.
Ders., Wahrer Friede und
wahre Kultur: Christlicher Glaube und Europa, in: ders. (Anm. 9) 17.
Ders., Wahre Kraft der Heilung: Der Mann des Glaubens Vinzenz von Paul, in:
ders. (Anm. 9) 90; zum Ganzen 87-99.
Weiterführend B. Hume, Eröffnungsansprache beim VI. Symposium der europäischen
Bischöfe, in: Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Stimmen der Weltkirche 32
(Bonn 1991); L. Roos, Auswirkungen der Neugestaltung Europas, in: Deutsche
Bischofskonferenz, Arbeitshilfen 94 (Bonn 1991); M. Vlk, Johannes Paul II. und
die Kirche in Europa, in: St. Horn – A. Riebel (Hrsg.) Johannes Paul II. Zeuge
des Evangeliums (Würzburg 1999); J. Homeyer, Europa eine Seele geben, in:
Ost-West. Europäische Perspektiven 2 (2001) Heft 1, 17-24; J. Rabanus, Europa
in der Sicht Papst Johannes Pauls II. Eine Herausforderung für die Kirche und
die europäische Gesellschaft = Paderborner Theologische Studien. Bd. 39
(Paderborn u.a. 2004).
Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Egregiae
virtutis vom
31.
Dezember 1980
, in: AAS 73
(1981)
258-262
.
Ders., Predigt vor der Kathedrale von Gnesen (
3. Juni 1979
) Nr. 5, in: L’Osservatore
Romano (D),
8.
Juni 1979
, 6.
R.
Ratzinger, Europa – verpflichtendes Erbe für die Christen, in: Europa.
Horizonte der Hoffnung. Hrsg. von F. König und K. Rahner (Graz – Wien – Köln
1983) 61-74, wieder abgedruckt in: ders., Kirche, Ökumene und Politik. Neue Versuche zur Ekklesiologie (Einsiedeln
1987) 198-210.
Sonderheft der Katholischen Akademie in Bayern "Europa und die Christen"
(München 1979) 3-13; französisch unter dem Titel "L’europe, un héritage qui
engage la responsabilité des chrétiens", in: Revue des sciences religieuses 54
(1980) 41-54
.
"Ratzinger: Europas
Probleme mit dem Glauben", in: Kathpress Nr. 86 vom
5. Mai 1989
, 3.
J.
Ratzinger, Europa – Hoffnungen und Gefahren. Vortrag und Predigt am Pfingstfest
1990 im Dom zu Speyer (o.O. o.J. [1990]); dieser Vortrag wurde wiederabgedruckt
in: ders., Wendezeit für Europa? Diagnosen und Prognosen zur Lage von Kirche
und Welt (Freiburg 1991; ²1992) 82-104, aus dem im Folgenden zitiert wird. Die
Publikation wurde in italienisch, spanisch, amerikanisch, französisch und
polnisch übersetzt.
Damit wir Zeugen Christi sind, der uns befreit hat. Sonder-Versammlung für
Europa 1991 = VAS 103 (Bonn 1992); vgl. H. Moll, Auf ein Wort: Europasynode,
in: L’Osservatore Romano (D) 49 (
6. Dezember 1991
) 1.
Johannes Paul II., Ansprache zum Abschluß der Spezialversammlung der
Bischofssynode über Europa am
13. Dezember 1991
, in: AAS 83
(1991) 1374
; vgl. ders., Apostolisches
Schreiben Tertio millennio adveniente (
10. November
1994
) Nr. 37, in: AAS 87 (1995) 29f. samt seiner deutschen
Umsetzung in: H. Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz),
Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Bde. 2
(Paderborn u.a. 42006).
J.
Ratzinger, Wendezeit für Europa?, in: Katholische Nachrichten-Agentur
Ökumenische Information Nr. 14/15 (1991) 5-16; wiederabgedruckt in: ders.,
Wendezeit für Europa? Diagnosen und Prognosen zur Lage von Kirche und Welt
(Freiburg 1991; ²1992) 105-127, die im Folgenden herangezogen wird.
Ebd.
120; vgl. I. Riedel-Spangenberger – A. Franz (Hrsg.), Fundamente Europas.
Christentum und europäische Identität (Trier 1995).
Originaltext in: AAS 92
(2000) 220-229
;
Übersetzung: Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben als "Motu Proprio"
erlassen zur Ausrufung der hl. Birgitta von Schweden, der hl. Katharina von
Siena und der hl. Teresia Benedicta a Cruce zu Mitpatroninnen Europas = VAS 140
(Bonn 1999); vgl. J. Ratzinger, L’attualità di S. Brigida di Svezia, in: Santa
Brigida profeta di tempi nuovi (Rom 1993) 71-81.
J.
Ratzinger, Chancen und Gefahren für Europa, in: ders. Werte in Zeiten des
Umbruchs. Die Herausforderungen der Zukunft bestehen = Herder spektrum. Bd.
5592 (Freiburg – Basel – Wien 2005) 89-97.
Ebd.; die aus dem
Relativismus gespeisten Konsequenzen werden konkretisiert bei J. H. Matláry,
Veruntreute Menschenrechte. Droht eine Diktatur des Relativismus? (Augsburg
2006), vor allem im Kapitel "Die ‚Tyrannei der Mehrheit’ und ihr rationales
Gegenmittel: Papst Benedikt XVI." (181-201).
J.
Ratzinger, Europa. I suoi fondamenti oggi e domani (Cinisello Balsamo 2004)
9-29, übersetzt publiziert in: ders., Europas Identität. Seine geistigen Grundlagen gestern, heute, morgen ,
in: ders. Werte in Zeiten des Umbruchs. Die Herausforderungen der Zukunft
bestehen = Herder spektrum. Bd. 5592 (Freiburg – Basel – Wien 2005) 68-88.
P. Brown, Divergent Christendoms.
The Emergence of a Christian Europe 200 – 1000 AD (Oxford 81995); dt., Die Entstehung des
christlichen Europa = Beck’sche Reihe
4023 (München 1996, Sonderausgabe 1999).
J. Ratzinger (vgl. Anm.
82) 71.
Vgl.
H.-P. Schwarz, Adenauer. Der Aufstieg: 1876-1952 (Stuttgart ²1986); ders.,
Adenauer. Der Staatsmann: 1952-1967 (Stuttgart 1991).
Vgl. H. A. Lücker – J.
Seitlinger, Robert Schuman und die Einigung Europas (Luxemburg 2000).
Vgl. G. Andreotti, De
Gasperi. Ein Kapitel italienischer Geschichte (Bonn 1967).
J. Ratzinger (s. Anm. 82)
84.
G.
Weigel, Das Projekt Benedikt. Der neue Papst und die globale Perspektive der
Katholischen Kirche (München 2006) 240f.
Gemeinsame Erklärung von Bartholomaios I. und Benedikt XVI., Nr. 4, in:
KNA-Dokumentation,
1.
November 2006
, 2.
Papst Benedikt XVI., Ein ‚neues Europa’ bauen – inspiriert von der Wahrheit des
Evangeliums, in: L’Osservatore Romano (D) 37 (
6. April 2007
) Nr. 14, 8; die
Übersetzung fußt auf dem Originaltext, der im L’Osservatore Romano 147 (
25. März 2007
) 5 abgedruckt wurde.
[103] Weiterführend J.-G. Boeglin, Etats et religions en Europe. T. 1-2 = Logiques
Juridiques (Paris 2006); H. Behr – M. Hildebrandt (Hrsg.), Politik und Religion
in der Europäischen Union. Zwischen nationalen Träumen und Europäisierung =
Politik und Religion (Wiesbaden 2006).
Vgl. Chr. Lennert, EU-Politiker stützen Forderung nach Achtung der Werte. Papst
warnt Europäer eindringlich vor Leugnung ihrer Geschichte, in:
KNA-Korrespondentenbericht,
27. März 2007
.
Vgl. KNA-Inland vom
27.
März 2007
und das KNA-Interview mit Außenminister Steinmeier vom
13. April 2007
.
[106] Nr. 94 = VAS 177, 113.
[107] Vgl. G. Cantoni – Fr. Pappalardo (a
cura di), Magna Europa. L’Europa fuori dall’Europa (Crotone 2007).
|
© Pustet-Verlag
"Die christliche Identität Europas nach Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI.", in Manfred Hauke (Hrsg.) "Maria als Patronin Europas. Geschichtliche Besinnung und Vorschläge für die Zukunft" (Regensburg 2009, S. 236-261) |
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